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Tipps zum Fliegen

veröffentlicht um 26.02.2014, 02:55 von Michael Husmann
Nachdem der Winter hier im Norden nicht richtig stattgefunden und die Flugsaison schon begonnen hat, hier ein paar Punkte zur Auffrischung. Ich behaupte zwar immer, dass Drachenfliegen einfach ist, aber ein paar Dinge beherrscht der erfolgreiche Pilot:

Lockerer Griff

Als Einsteiger mag man sich noch oft an der Basis festkrallen, gerade wenn es turbulent ist und man sich unwohl fühlt. Um den Drachen jedoch gefühlvoll und wirklich effektiv zu fliegen, ist es wichtig, das Verhalten des Gerätes zu spüren. Das geht am besten, wenn man die Basis mit den Fingern führt. Auf die Weise fühle ich sofort jede kleinste Veränderung und kann reagieren. Sich auf der Basis abstützen geht gar nicht.
Zum Steuern ziehst du die Basis in die gewünschte Richtung, ohne dass du dich an ihr abstützt oder dich sogar an ihr aufrichtest. 

Locker im Gurt

Insgesamt locker sein, nicht verkrampfen. Je mehr ich mich verkrampfe, desto anstrengender ist der Flug. In turbulenten Bedingungen reagiert man oft intuitiv, aber je öfter ich mich ermahne locker zu bleiben, desto entspannter ist der Flug. Also mach ich es mir im Gurtzeug bequem. Schließlich soll mich ein mehrstündiger Flug nicht über Gebühr anstrengen. 
Sich richtig hinlegen, also von der aufgerichteten Position beim Start in die widerstandsarme ganz liegende Position zu bringen, aber erst mit genug Boden- bzw. Geländeabstand. Nach dem Start konzentriere ich mich also erst mal darauf, so schnell wie möglich Höhe zu machen, um mich dann in die richtige Position zu bringen und das Gurtzeug komplett zu schließen. Hier ist der Sicherheitsaspekt das Wichtigste. In Hang- oder Bodennähe am Gurtzeug zu fummeln, kann schnell schief gehen. 

Nicht übersteuern

Es gilt, jeden überflüssigen Steuerinput zu vermeiden. Also gefühlvoll steuern mit gerade so viel Steuerbewegungen wie eben nötig. Denn je unruhiger ich steuere, desto mehr verschlechtert das das Flugverhalten des Gerätes. Im schlimmsten Fall schaukelst du das Gerät auf. Die Amerikaner nennen das PIO (pilot induced oscillation). Das ist in bodennähe fatal. Inzwischen gibt es unendliche viele Videos bei youtube oder vimeo, die extrem lehrreich sind. Es bringt auch nichts, ständig hin- und her zu pendeln. Auch beim Drachenfliegen gilt: Nur die Ruhe bringts.

Körper im Luftstrom gerade ausgerichtet halten

Ein ganz wichtiger Punkt und ich muss mich immer wieder dazu ermahnen, meinen Körper im Luftstrom so zu halten, dass ich möglichst wenig Widerstand erzeuge. Das tollste High-End Gurtzeug nützt wenig, wenn ich meine Körperbreitseite in den Wind stelle. Alex Ploner hat an einem Abend während der Hang Gliding Challenge in Greifenburg erzählt, dass er sich einen Stock mit einem Windfähnchen an der Spitze ins Gurtzeug gesteckt hat, um zu sehen und zu üben wirklich gerade im Luftstrom zu hängen. Wenn du schon so ein modernes windschnittiges Gurtzeug besitzt, dann achte auch darauf, dass du nicht aufgerichtet fliegst. Du kannst dich zum Landen aufrichten, um mehr Widerstand  zu erzeugen, aber während des Fluges ist das die falsche Ansage.

Nicht zu langsam fliegen

Nein, man steigt nicht besser, wenn man an der Stallgrenze ist. Gerade in der Thermik ist es kontraproduktiv, zu langsam zu fliegen. Denn wenn der Außenflügel noch fliegt, der Innenflügel aber bereits dabei ist abzureißen, dann steigt man schlechter. Fällst du bei einer solchen Aktion aus der Thermik, dann nickt dein Drachen im besten Fall nur deutlich ab. Ein Hochleister quittiert das auch gern mal mit dem Einstieg ins Trudeln. 
Gerade beim Landen ist es extrem wichtig, mit genug Geschwindigkeit zu fliegen. Aus Angst immer langsamer zu werden, um anschließend einzubomben, ist der falsche Weg. 

Widerstandsarme Kleidung

Nun hast du den schönsten Flügel, das schnittigste Gurtzeug, aber eine Flatterjacke, die seinesgleichen sucht. Besorg dir dazu noch Speedarms oder lass dir welche von deiner Freundin oder Frau nähen. Es ist nicht so wichtig toll auszusehen. Toll fliegen ist angesagt. Du hast ein Vermögen für eine profilierte Basis ausgegeben, aber übersehen, dass auch deine Kleidung widerstandsarm sein muss.

Wird fortgesetzt ...

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