Reports‎ > ‎

Spirit L


Erstflug

Ein Bericht von Michael Husmann, Herbst 2012





Nachdem ich nun intensive Bekanntschaft mit Fox und Combat 13.2 GT gemacht hatte, wollte ich doch sehen, ob Tomas Pelliccis Spirit L denn ebenso einfach zu fliegen ist und auch ob er so angenehme und gute Flugeigenschaften besitzt.

In Greifenburg sollte ich dazu endlich Gelegenheit haben. Tomas hatte nicht nur seinen Edel Fox sondern auch seinen Spirit L mit Klappen mitgebracht.

Den Edel Fox habe ich leider nicht geflogen. Dieser hat ein schönes Segel und einige andere Änderungen gegenüber dem Fox. Tomas ist mit ihm neben dem Gasthof Sattlegger gelandet.



Da es schon Herbst war und ich zu ungeduldig, startete ich den Spirit L zu früh und musste 20 Minuten später landen gehen. Ich fand keine Thermik und war wohl auch zu unruhig. Ein neuer Gleiter, wer weiß, was der so mit sich bringt. Während des Fluges hatte ich schon ein bisschen mit der VG gespielt und festgestellt, dass man den Spirit L ganz schön schnell fliegen kann, ohne dass das Sinken zunimmt. Sehr angenehm.

Außerdem zeigte er beim Erstflug keinerlei Giertendenz egal wie schnell ich war. Ich ging also in die Position, baute Höhe ab und flog dann mit Überfahrt meinen Gegen-, Quer- und Endanflug, gefolgt von Aufrichten, Abfangen, Halten und Rausdrücken. Alles total einfach. Tomas erwartete mich schon am Landeplatz und meinte, ich soll gleich den nächsten Flug machen. Es war schon spät, so gegen 16:30 Uhr, so dass ich fürchtete, dass es wieder nur einen Abgleiter gäbe. Aber Tomas baute schon ab und es ging wieder auf den Berg. Während Tomas in unfassbaren 10 Minuten den Spirit L aufbaute, hatte ich Fluginstrumente angebracht, das Gurtzeug gepackt, mich angezogen und gleich zum Start gegangen.

Dort ohne zu zögern raus und fand auch sofort einen Bart, der mich zuverlässig an die Wolkenbasis brachte. Tomas hatte die VG vor dem Start leicht gespannt, die nahm ich beim Kreisen komplett raus und stieg. Nachzentrieren war ganz einfach. Der Spirit L ist ein zahmer Geselle, der willig jede Steuerbewegung umsetzt. An der Basis angekommen, machte ich mich auf den Weg zum Knoten, spannte die VG komplett und beschleunigte leicht. Mein Speedmesser zeigte immer so um die 60 km/h oder mehr, ohne dass das Sinken groß zunahm. Ich flog noch weiter in Richtung Westen, bis ich meinte, es sei Zeit zum Umdrehen. Hinter dem Knoten fand ich einen schwachen Bart, waren es die Kühe weit unter mir? Ich entspannte den Flügel und setzte die Klappe. Es ging hoch und wie schön. Handling vom Feinsten. Weiter gings zurück zur Emberger mit gespannter VG. Über dem Wasserbecken ging es wieder leicht hoch, also die gleiche Prozedur wie eben. Spannt man die VG, dann stellt sich die Klappe in Normalposition. Ich habe sie jedoch immer hübsch separat gesetzt.

Ich flog zum Gaugen. Die Thermik hatte sich verabschiedet, also lies ich den Spirit L mit ordentlich Geschwindigkeit Richtung Stagor gleiten. Gelegentlich ging mein Blick zum Landeplatz und kurz vorm Stagor wechselte ich die Talseite und flog Richtung Weißensee. Dann zum Landeplatz. Dort in die Position, ich war noch viel zu hoch und ließ mir Zeit die Höhe zu verbraten. Dann wieder mit viel Fahrt in Gegen-, Quer- und Endanflug. Das Alles gefolgt mit einer Bilderbuch-Landung. Ich hatte nur noch das Grinsen im Gesicht.

Die Klappe hatte ich bei keiner Landung gesetzt. Das muss ich unbedingt noch ausprobieren, wenn ich dazu Gelegenheit habe.

Der Spirit L ist sehr leicht. Er fliegt sich total einfach. Er ist um alle Achsen gedämpft, aber dennoch reagiert er wunderbar auf jede Steuerbewegung. Mit loser VG in der Thermik wie ein Einfachsegler und mit gespannter VG wie ein Hochleister.

Wie beim Combat, ist die VG des Spirit L fern jeglicher Kosmetik, sondern steigert die Gleiteigenschaften des Flügels erheblich. Wegen der hohen Richtungsstabilität und des guten Gleitens macht es Spaß schnell zu fliegen. Der Drachen sieht nicht nur gut aus, er fliegt auch so gut.

Der Spirit L überfordert niemanden und fliegt sich so gutmütig, dass er für jeden Piloten geeignet ist, der erfolgreich mit einen Einfachsegler zurecht kommt. Dank des großen Geschwindigkeitsfensters und seiner guten Gleiteigenschaften ist er die ideale Streckenmaschine und absolut wettbewerbstauglich.

Nun kenne ich die drei: Fox, Spirit L und den Combat 13.2 GT. Interessant ist, dass sich alle drei Geräte sehr ähneln. Sie haben ein ausgesprochenes gutes Handling und mit ihnen zu fliegen ist ein Traum. Und vor allem: Landen ist so einfach.

Es hat sich einiges getan bei den modernen Drachen: Neuere Segel, optimierter Segelschnitt, wirksame VG, Klappen wie beim Spirit L und geringes Gewicht.


Nachtrag

Den Spirit L habe ich nun schon viele Stunden geflogen. Ich habe noch keinen Drachen geflogen, der sich so schön landen lässt wie dieser. Der Spirit L ist in der Luft äußerst angenehm. Er lässt sich feinfühlig steuern und mittels seiner hochwirksamen VG auch sehr schön in langen Gleitphasen fliegen. Hier ein Bericht von Peter über den Aeros Discus. Der Spirit L ist leichter und noch schöner als der Discus.

.

Handhabung

Nachdem ich den Spirit L nun ganz viele Stunden geflogen habe, hier ein paar Hinweise

Spirit L Aufbau

Bau dein Gerät nur auf, wenn du fliegen willst. Jedes Kunststoffgewebe leidet unter UV-Belastung. Daher tust du dem Drachen keinen Gefallen, ihn länger als nötig in der Sonne stehen zu lassen. Das Segel mag auch nicht, ständig den Wind von hinten zu haben.
  • Gerät hinlegen, Packsack öffnen, Velcros entfernen, Segellatten und Speedbar entnehmen
  • Speedbar montieren, VG Schnur durch die Klemme einfädeln und mit Sicherungsknoten versehen
  • Gerät umdrehen, aufrichten und auf die Trapezbasis stellen
  • Packsack entfernen und zusammen falten
  • Turm-Verkleidung, Kiel-Verkleidung und Kiel-Schoner abnehmen
  • Randbögen einführen, spannen und die Reißverschlüsse am Flügelende schließen
  • Turm aufstellen
  • Nasenlatten einsetzen und vordere Unterverspannung einhängen
  • Flügel spreizen und linke und rechte Segellatten einführen, aber noch nicht einclipsen
  • Gerät spannen und das Turmseil am Kiel einhängen
  • Aufhängung verkleiden und Haupt-Reißverschluss schließen
  • Segellatten sichern - an den Segelenden einklipsen
  • Sprogs ins Segel schieben und mit Reißverschluss sichern
  • Untersegellatten einsetzen
  • Nasenverkleidung aufsetzen
  • Räder montieren
  • Vario anbringen
  • Packmaterial im Gurtzeug verstauen
  • Gurtzeug einhängen
  • Helm mit Handschuhen vor die Basis legen

Viele Unfälle passieren, weil Drachenflieger vergessen, ihr Gurtzeug einzuhängen. Daher empfehlen wir dringend, dass du dein Gurtzeug schon nach Aufbau des Gerätes einhängst und den Karabiner schließt. Auf diese Weise stellst du zusätzlich sicher, dass die Aufhängung des Gurtzeuges nicht verdreht ist. Wenn du starten willst, ziehst du das Gurtzeug einfach an.

Mit an der Basis liegendem Helm und Handschuhen hast du alles in Reichweite.

Wenn du den Start abbrechen willst, weil beispielsweise die Bedingungen nicht passen, dann häng dich nicht aus, sondern schlüpfe einfach aus deinem Gurtzeug.

Start

Der Spirit L neigt nicht zum Übersteuern oder Aufschaukeln. Es ist also nicht nötig, die VG vor dem Start zu spannen. Der Flügel kann jedoch leicht (⅓ VG) gespannt werden, um gleich zu Beginn das Gleiten zu optimieren. Gerade nach dem Start gilt es Höhe zu machen. Wird maximale Kontrolle über das Gerät benötigt, dann ist es besser, die VG nicht zu spannen.

Auf eine günstige Startphase warten. Dann das Gerät aufnehmen. Die Erfahrung zeigt, dass es nicht hilft, mit angehobenem Drachen länger als 10 Sekunden am Start zu stehen. Also: Nimm den Drachen dann auf, wenn du starten willst und zögere nicht mehr.

Zum Start richtet man den Spirit L waagerecht in geeignetem Anstellwinkel aus und läuft mit sich steigernder Geschwindigkeit los, bis man vom Drachen vom Boden weggezogen wird. Die lose Unterverspannung strafft sich beim Loslaufen sofort, so dass der Spirit L gut kontrollierbar ist.

Wie bei jedem anderen Fluggerät gilt es zunächst Höhe zu machen um den Abstand zu Hindernissen zu vergrössern. Schließe erst dann dein Gurtzeug.

Flug

Der Spirit L verhält sich im Flug völlig neutral. Thermik lässt sich am einfachsten mit lockerer VG zentrieren. Bei starker Thermik kannst du die VG spannen. Flieg nicht zu langsam. Das ist ganz besonders wichtig, wenn du dicht am Hang bist und auch, wenn andere Flieger um dich herum in der Luft sind. Zu langsames Fliegen hat generell keine Vorteile.

In starken Turbulenzen löse die VG und fliege schneller als Trimmgeschwindigkeit. Der Drachen hat so seine größte Pitch-Stabilität.

Fliege nicht im Regen. Wassertropfen auf der Anströmkante verschlechtern die Flugeigenschaften des Gerätes erheblich.

Landung

Den Spirit L zu landen ist einfach.

Bereite dich auf die Landung vor. Suche dir eine geeignete Landefläche. Sie sollte hindernisfrei sein und nicht im Lee liegen. Lande nicht hangabwärts. Öffne in geeigneter Höhe das Gurtzeug. Du kannst den Spirit L mit loser bis ½ gespanner VG landen. Fliege eine großzügige Landevolte mit einem langen Gegen- Quer- und Endanflug. Fliege schneller als Trimmgeschwindigkeit. Der Vorteil im Schnellflug besteht darin, dass du Turbulenzgebiete schneller durchqueren und du den Drachen so am einfachsten kontrollieren kannst. Richte dich im Endanflug in geringer Höhe auf und halte dabei die Geschwindigkeit, gleite aus, indem du die Höhe hältst. Versuche dabei den Steuerbügel vorsichtig kommen zu lassen. Wenn du jetzt die Höhe nicht mehr halten kannst, drücke raus. Bei Starkwind ist es besser nicht voll rauszudrücken, sondern die Landung mit ein paar Schritten zu beenden.

Viele Landungen gehen schlecht aus, wenn zu langsam geflogen wird und die Landeeinteilung nicht passt. Leegebiete sind in jedem Fall zu meiden. Lande nicht aus Bequemlichkeit dicht am Abbauplatz, wenn der Ort nicht geeignet ist, sondern laufe ruhig 5 Minuten länger. Ein Crash kostet viel mehr Zeit und frustriert nur. Es imponiert niemanden, wenn du deinen Drachen irgendwo reingewürgt und beschädigt hast.

Nach der Landung

Lass deinen Drachen nicht unnötig in der Sonne stehen. Stell das Gerät nach Möglichkeit in einer Wind armen Zone ab und beginne es abzubauen. Du hast danach noch genug Zeit, dich mit deinen Fliegerkollegen auszutauschen. 

Transport

Transportiere deinen Spirit auf dem Reißverschluss liegend. Wenn du längere Strecken unterwegs bist, dann empfehlen wir zusätzlich einen Regenpacksack.